Über das Lösen eines alten Glaubenssatzes
Es ist nicht nur mein Umgang mit dem Smartphone, der sich verändert hat, sondern etwas Tieferes.
Lange Zeit war da in mir ein innerer Impuls, sofort zu reagieren. Zu antworten. Verfügbar zu sein. Als dürfte nichts offen bleiben. Ich habe das lange nicht hinterfragt. Es fühlte sich normal an. Fast selbstverständlich.
Und doch lag darunter etwas anderes. Ein alter Glaubenssatz. Das Gefühl, es allen recht machen zu müssen. Nicht warten zu lassen. Nicht zu enttäuschen. Nicht aus dem Kontakt zu fallen.
Erst als ich begonnen habe, langsamer zu werden, konnte ich das wirklich erkennen. Nicht im Denken, sondern im Spüren. In dem Moment, in dem ich nicht sofort reagiert habe. In dem Moment, in dem ich etwas habe stehen lassen.
Da war zuerst Unruhe. Ein Ziehen. Ein innerer Druck. Und genau darin wurde spürbar, wie tief dieser Glaubenssatz in mir gewirkt hat – und dass er es war, der mich so lange angetrieben hat.
Heute ist das anders. Nicht, weil ich mir etwas verbiete, sondern weil ich begonnen habe, bewusster damit umzugehen. Ich habe mir feste Zeiten gesetzt, in denen ich mich um Nachrichten und Anfragen kümmere. Nicht mehr zwischendurch, nicht mehr sofort, sondern dann, wenn ich wirklich präsent dafür bin.
Dieser Glaubenssatz ist vielschichtig. Er steht nicht für sich allein.
Er ist verbunden mit anderen Themen – mit Selbstwert, mit Abgrenzung, mit dem Gefühl, genügen zu müssen.
Und oft zeigt sich erst im genaueren Hinspüren, welche Muster miteinander verwoben sind und gemeinsam in uns wirken.
Er ist mir nicht zum ersten Mal begegnet. In anderen Situationen, in anderen Lebensbereichen konnte ich ihn bereits wahrnehmen, betrachten und lösen – und doch zeigt er sich immer wieder. Manchmal leiser. Manchmal in einer anderen Form.
Nicht als Rückschritt. Eher wie ein erneutes Hinsehen.
Denn oft ist es nicht damit getan, etwas einmal zu lösen. Es braucht Achtsamkeit und Übung, den Raum, der dadurch entsteht, neu zu füllen – mit neuen Entscheidungen, mit neuen Erfahrungen, mit einem anderen Umgang mit mir selbst.
Sonst kann es geschehen, dass sich alte Muster wieder einschleichen. Ganz leise.
Und vielleicht liegt genau darin der eigentliche Wandel:
nicht nur etwas loszulassen, sondern bewusst etwas Neues entstehen zu lassen.
Heute ist da mehr Ruhe. Mehr Klarheit. Ich muss nicht mehr sofort antworten. Ich darf mir Zeit lassen. Ich darf Dinge offen lassen, ohne dass etwas zerbricht. Und ich darf bei mir bleiben, auch wenn ich nicht sofort reagiere.
Das verändert etwas. In meinem Tempo. In meinem Gefühl. In meiner Art, im Kontakt zu sein. Es wird ruhiger. Echter. Freier.
Und vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt:
Dass ich nicht mehr aus einem inneren Druck heraus handle – sondern aus mir selbst.
In Verbundenheit – Nadura
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