🌙 Inneres Bild · *Im Sturm*

Der Sturm hatte nicht aufgehört.
Nicht draußen
und nicht in ihr.

Vieles war erkannt.
Vieles benannt.
Die alte Haut hatte sich gelöst.
Doch darunter lag keine Klarheit,
sondern Weite.
Und Kälte.

Sie ging durch den Schnee,
gegen den Wind,
ohne zu wissen, wohin.
Gedanken kamen und gingen,
kreisten,
lösten sich wieder auf.

Was bleibt,
wenn die alten Geschichten nicht mehr tragen?
Wer bin ich,
wenn die Masken gefallen sind?
Wie geht man weiter,
wenn der vertraute Weg verschwunden ist?

Die Stille nach dem Erkennen
war nicht friedlich.
Sie war leer.
Und genau darin lag ihre Zumutung.

Immer wieder blieb sie stehen.
Spürte in sich hinein.
Fragte nicht nach Antworten,
sondern nach Richtung.

Da war etwas.
Kein Gedanke.
Kein Bild.
Nur ein Ziehen.
Tief.
Warm.
Beständig.

Ein Ruf,
den sie nicht benennen konnte.
Der nichts versprach.
Der nur sagte:
*Komm.*

Sie wusste nicht,
was sie suchte.
Aber sie wusste,
dass sie dem Ruf folgen sollte.

So ging sie weiter.
Nicht aus Mut.
Nicht aus Hoffnung.
Sondern aus Lauschen.

Sie trat näher.

Nicht wissend.
Nicht suchend.
Nur folgend
dem stillen Gefühl,
das sie leitete.

**Was trägt dich,
wenn nichts mehr sicher ist?**