🌙 Inneres Bild · *Begegnung mit Angrboda*
Im Schnee kniet eine Frau.
Die Hand in den kalten Boden gestützt,
als müsse sie sich selbst halten.
Nicht nur der Schmerz bricht aus ihr hervor,
sondern die Müdigkeit,
sich selbst so lange etwas vorgemacht zu haben.
Vor ihr steht **Angrboda**.
Still. Unbeweglich.
Kein Urteil liegt in ihrem Blick.
Kein Trost.
Keine Forderung.
Nur Raum.
So weit,
dass kein Ausweichen mehr möglich ist.
*Sieh hin.*
Nicht als Befehl.
Als Einladung.
Und sie sieht.
Die Geschichten, die sie sich erzählt hat, um zu überleben.
Die Masken, die einst Schutz waren
und längst zu eng geworden sind.
Die Muster, die sie wiederholt hat,
weil sie geglaubt hat, nichts anderes zu sein.
Der Schmerz brennt.
Doch er zerstört sie nicht.
Er schält sie.
Schicht um Schicht löst sich.
Alte Rollen.
Fremde Erwartungen.
Übernommene Wahrheiten.
Nichts wird verurteilt.
Alles darf gesehen werden.
Angrboda bleibt.
Und gerade darin liegt die Gnade.
Dann senkt sie den Blick noch tiefer,
bis ihre Stimme die Stille berührt –
ruhig, archaisch, wahr:
**„Yrsa.“**
Der Name ist kein Etikett.
Er ist Erinnerung.
An das Wilde.
Das Ungezähmte.
Das Echte.
Etwas gibt nach.
Nicht aus Schwäche,
sondern aus Wahrhaftigkeit.
Dann spricht Angrboda die Worte,
die den Übergang halten:
**„Lege ab, was dich geschützt hat.
Ehre es –
und lass es gehen.
Was wahr ist, bleibt.
Was du bist, geht mit dir.“**
Der Schnee fällt weiter.
Und sie bleibt.
Wahr.
**Was hältst du noch fest,
obwohl es längst gehen darf?**