Was sich in der Stille gezeigt hat

Veröffentlicht am 28. März 2026 um 11:56

Über die ersten Veränderungen nach dem Loslassen

Nachdem ich diesen Schritt gegangen bin, hat sich nicht sofort alles verändert.

Es war kein plötzlicher Wandel, kein klarer Schnitt.
Eher ein leises Verschieben.

Etwas wurde stiller.

Dabei war ich auch vorher viel im Leben.
Ich war draußen, in der Natur, in der Stille – und hätte von mir gesagt, dass ich bewusst lebe.

Und doch war das Smartphone immer irgendwo mit dabei.
Nicht ständig in der Hand, aber präsent.

Ich hatte lange das Gefühl, es im Griff zu haben.
Dass ich bewusst damit umgehe.

Heute sehe ich das anders.

Denn selbst diese vergleichsweise kurze, „kontrollierte“ Zeit hat ausgereicht, um meinen inneren Raum stärker zu beeinflussen, als mir bewusst war.

Am Anfang war da eine ungewohnte Leere.
Kein automatisches Greifen zum Smartphone. Kein ständiges Nachsehen, ob etwas Neues passiert ist.

Diese Stille fühlte sich zunächst nicht nur ruhig an – sondern auch fremd.
Fast so, als würde etwas fehlen.

Doch dann kam etwas, womit ich nicht gerechnet hatte.

Für einige Tage wurde es innerlich sehr schwer.
Ich fühlte mich plötzlich grundlos traurig, fast depressiv.

Ich musste weinen, war gereizt, begann vieles in meinem Leben infrage zu stellen, und alte Ängste tauchten wieder auf.

Zuerst konnte ich das nicht einordnen.
Solche Phasen kennt man – Höhen und Tiefen gehören zum Leben.

Aber das hier fühlte sich anders an. Intensiver.
Fast überwältigend.

Ich begann mich zu fragen:
Was passiert hier gerade eigentlich?
Wo kommt das her?

Und dann kam die Antwort – ganz leise.
Wie ein inneres Wissen, fast wie ein Flüstern:

Ich war im Entzug.
Im Dopaminentzug.

In diesem Moment wurde mir klar, was mein System in den letzten Monaten gewohnt war – diese ständige Reizflut, diese schnellen Impulse, dieses permanente „Mehr“.

Und plötzlich war all das weg.

Als ich das erkannt habe, konnte ich anders damit umgehen.
Ich habe aufgehört, gegen dieses Gefühl anzukämpfen.

Und trotzdem hat es noch eine Weile gedauert.

Bis sich mein Nervensystem langsam umstellen konnte.
Bis echte Momente wieder ausgereicht haben.
Bis sich die Stille nicht mehr leer angefühlt hat, sondern wieder vertraut und tragend wurde.

Mit der Zeit begann sich etwas weiter zu verändern.

Ich merkte, dass ich noch tiefer in die Stille finden konnte.
Dass ich noch klarer wahrnehme.

Ich war nicht nur da – ich war wirklich da.

Gedanken wurden ruhiger.
Gefühle greifbarer.

Und das, obwohl ich vorher schon das Gefühl hatte, bewusst zu leben.

Heute spüre ich den Unterschied.

Es ist, als wäre eine weitere Schicht weggefallen.
Als würde ich mir selbst noch ein Stück näher kommen.

Nicht perfekt. Nicht dauerhaft.
Aber spürbar.

Und vielleicht braucht es genau diesen Raum, damit wir wieder spüren, was in uns wirklich lebendig ist.

In Verbundenheit – Nadura

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